Blog 34 - KW 33/2016

Mission Glück KW 33

Der Reset-Modus – Zeit für ein erweitertes Fazit/ Teil 1

„Am Anfang des roten Fadens war…
… das MEER! (Blog1-Der Prolog)

 

Hallo zusammen!

Ich befinde mich im Reset-Modus. 
Der Saisonhöhepunkt ist vorbei, das große Ziel geschafft, viele Stürme, Kurven, Anstiege und Gegenwinde, aber eben auch eine Riesenportion Sonnenschein im Herzen liegen hinter mir. Und dies bezieht sich nicht nur auf den Glückstag, sondern auf die gesamte Glücksmission. Ein neues Ziel wird zwar bereits ins Visier genommen (ich schrieb vergangene Woche davon), aber die Umrisse sind noch unscharf. Entsprechend weit weg ist die neue Mission, so dass im Moment kein zielgerichtetes Training stattfindet. Zwar habe ich wieder begonnen, mich regelmäßig zu bewegen, aber ohne Druck und Zwang. Dabei fiel mir (wie jedes Jahr zum Ende der Saison) auf, dass ich so ein bisschen Druck und Zwang brauche, um regelmäßig und sinnvoll zu trainieren. Bis jedoch dieser Druck wieder entsteht, werden Körper und Geist durch einen Druck auf die Reset-Taste erfrischt. Okay, so frisch fühle ich mich gegenwärtig nicht, denn gestern bin ich im Rahmen des Resets auf einem mittelalterlichen Fest versumpft (super sportlich). Der Blick ins Honigmet-Fass war wohl etwas nachhaltiger, so dass ich beinahe so zerstört bin wie nach einem Wettkampf (nur unangenehmer). Mein Körper verträgt einfach keinen Alkohol und ist abgesehen davon ziemlich aus der Übung. Diese soll er auch gar nicht bekommen, aber im Reset-Modus darf so etwas aus meiner persönlichen Sicht schon einmal sein. Und es war doch so nett am Feuer mit hausgemachter Musik in stilechtem Ambiente. Meine Töchter zeigen sich vom Reset-Modus zunehmend genervt. „Es ist ungewohnt, wenn du nicht jeden Tag Sport machst, Mama“, sagte Lucie zu mir, als ich gestern „endlich mal wieder“ zu einer längeren Laufeinheit aufbrach. Fast schon ein running gag ist die Aussage: „Was machst denn du schon wieder zu Hause?“. Sorry! Ich wohne hier! 
Und wie Evelyn Hamann in „Papa ante portas“ (geiler Film) sagen auch meine Töchter:
 „Ja, aber nicht um diese Zeit!“ 
Dazu kommt, dass ich in dieser Woche in meinen neuen Job eingestiegen bin, der es mir ermöglicht, zwischendurch zur Heimarbeit zu Hause aufzuschlagen. Die Mädchen haben einfach keine „Sturmfrei-Sicherheiten“ mehr. Ihre Freude darüber hält sich gelinde gesagt in Grenzen. Hatte ich schon gesagt, dass ich das total gut finde, dass ich endlich wieder mehr Zeit für meine Töchter habe? 
Inzwischen sind zwei Wochen seit dem Glückstag vergangen, ich habe vieles schon sacken lassen können, einiges sackt noch immer, aber ich denke, dass ich zwischen den Missionen so langsam einen Rückblick wagen kann. 
Im ersten Blog startete ich mit den Worten, die ihr oben lesen könnt. Ich wollte damals die Mission bewusst am Meer beginnen, und es war mir während der gesamten Vorbereitung wichtig, dass speziell das Training einem roten Faden folgt. 
Rückblickend hat das Meer im Rahmen der Mission für mich tatsächlich an Bedeutung gewonnen, obwohl ich vorher schon gerne dort war. Ich hatte die Gelegenheit, mich nach den sehr „berglastigen“ Wettkämpfen der letzten zwei Jahre (Allgäu und Zell am See) an ganz neue Bedingungen heranzutasten, nämlich an brutalen Gegenwind und an das Schwimmen im Meer. Gleichzeitig entdeckte ich die Kraft der Naturgewalten noch einmal ganz neu für mich. Ich merkte, dass ich dort Ruhe von der Alltagshektik fand, genoss den meditativen Charakter, die Weite und das Gefühl, durchgepustet zu werden. Das hat mich neben dem Yoga immer wieder beruhigt und geerdet, mir Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Für diese Entwicklung bin ich dankbar. Für mich ist klar, dass ich mir häufiger das Meer „gönnen“ möchte, wenn der Alltag wieder einmal zur Bedrohung wird oder ich nicht aufhören kann zu denken.
Der rote Faden war schon allein durch die Trainingspläne von Gerhard absolut vorhanden, wobei es schon ein paar Knoten gab oder mitunter sogar einen Schnitt und eine Neuausrichtung. Der größte und nervigste Schnitt war tatsächlich die langwierige und hartnäckige Hüftverletzung, die mich sehr lange vom Laufen abhalten sollte. Ohne diese hätte ich mich niemals mit dem Aquajogging beschäftigt, ich hätte im Vorfeld den einen oder anderen Testwettkampf mehr absolviert und insbesondere im Winter die Prioritäten anders gesetzt. Inzwischen sehe ich diese Verletzung aber nicht mehr nur negativ. Ich glaube, dass das verstärkte Schwimmtraining eine gute Vorbereitung auf das Meer war. Und Aquajoggen werde ich künftig als aktive Regeneration in meinen Trainingsplan einbauen. Ein weiterer physischer und psychischer Schnitt bei der Betrachtung des roten Fadens im Trainingsverlauf war mein Autounfall. Auch der hat meine Planung und vor allem mein eher unbekümmertes Wesen mächtig ins Wanken gebracht. Aber auch hier konnte ich bei all dem damit verbundenen Stress und Ärger etwas extrem Gutes herausfiltern: Es ist niemand zu Schaden gekommen, meine Schutzengel sind ziemlich fähig und so wie es aussieht verlässlich. 
Ein grundsätzlicher Erkenntnisgewinn, den ich nicht zuletzt durch das Bloggen verbuchen konnte, ist, dass ich zu den Menschen gehöre, die Alltag und Training nicht losgelöst voneinander betrachten können. Das heißt, dass es nicht zwei rote Fäden gibt, die parallel laufen (der Alltags- und der Trainingsfaden), sondern dass diese wenn überhaupt miteinander verwoben sind. Meine Leistungsfähigkeit, meine Motivation, mein Wille und mein zielgerichtetes „Bewegt-sein“ werden durch die Einflüsse des Umfelds bestimmt. Aber auch diese Symbiose von Alltag und Training ist aus meiner Sicht positiv zu betrachten. Der Alltag macht mich sensibel für den Sport, drosselt zwar manchmal meine Power, aber sehr häufig beflügelt mich mein Leben zu „Höchstleistungen“ (aus Trauer, Wut, Liebe, Glück…). Gleichzeitig macht mich die Intensität des Trainings fit für lebenspraktische Dinge. Ich bin zäh, ausgeglichener, fühle mich stärker und selbstbestimmter. Durch die Körperkontrolle und –Wahrnehmung im Training bin ich auch im Job oder in der Familie gut in der Lage, mich zu kontrollieren und zu reflektieren.  Und ich kann wichtige Entscheidungen oft besser treffen, wenn ich vorher mit dem Rad gegen den (oder mit dem ;-)) Wind gefahren bin. Daher plädiere ich für diese hilfreiche Wechselwirkung und möchte sie nicht mehr missen. 
Auch die so intensive beinahe Tagebuch-ähnliche Dokumentation meiner Sport- und Gefühlswelt hat mich weiter gebracht. Ich habe durch den Blog tolle und sehr wertvolle Menschen kennengelernt. Der regelmäßige Austausch und die vielen unterschiedlichen Anregungen anderer Triathleten waren für mich sehr förderlich. 
Normalerweise habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass sich nur wenige für mein Training interessierten, schon alleine weil ich leistungsmäßig nicht in ihrer Liga unterwegs bin. Mitunter hatte ich sogar das Gefühl, für meine Liebe zur Langdistanz belächelt zu werden. Inzwischen zeigte sich aber, dass sich auch Menschen, die keinen Blumentopf gewinnen können, durch meine Geschichten motiviert und verstanden gefühlt haben. Darüber freue ich mich sehr.
Im kommenden (vorletzten!) Blog meinerseits werde ich insbesondere mein Fazit zu meiner Zeit in Glücksburg niederschreiben, schon alleine, weil dieser Wettkampf es wert ist, einen kompletten eigenen Wochen-Blog zu bekommen. Es fehlen noch ein paar wichtige Eindrücke, die den Rahmen des Wettkampf-Wochenblogs gesprengt hätten. Außerdem findet mein Heimtriathlon am Twistesee statt, bei dem ich in die Helfer- und Organisatorenrolle schlüpfen werde.
Kommt gut in die Spätsommerwoche, genießt die angesagte Sonne und bleibt natürlich bewegt!

 

Eure Daniela

 

 

Die Bloggerin 2016 Daniela Pätsch stellt sich vor: 

 

Ich bin Daniela, vierzig Jahre alt und bereits im dreizehnten Jahr aktive Triathletin. Ich lebe mit meinen beiden Teenie-Töchtern Lucie und Sanja in Diemelstadt im tiefsten Norden Hessens, nicht gerade eine Triathlon-Hochburg, jedoch eine Gegend mit wunderbaren Trainingsmöglichkeiten.  

 

Ich arbeite als Sozialpädagogin in einem Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, langzeitarbeitlose junge Erwachsene zu motivieren, aus ihrem "Loch" herauszukrabbeln, sich aufzubäumen und etwas aus ihrem Leben zu machen. Ich sehe es als meine Aufgabe an, Motivation zu leben und aktiv umzusetzen. Ich zeige auf diese Weise, was es bedeutet, sich ein Ziel zu setzen und dafür zu kämpfen. Ich möchte für diese jungen Menschen und nicht zuletzt für meine Töchter ein aktives Vorbild sein, da dies häufig mehr Wirkung zeigt, als warme Worte zu formulieren.

Ich bin Triathletin aus Leidenschaft, sportlich relativ talentfrei aber stark im Kopf, Triathlon-Trainerin und Yoga-Lehrerin.

Der Ostseeman ist nach dem Ironman Frankfurt 2013 erst meine 2. Langdistanz. Ich starte sonst bevorzugt über die halbe Strecke. Am Ostseeman reizt mich das Schwimmen im Meer und die von einem Vereinskollegen wiederholt beschriebene familiäre Atmosphäre.

Mein Ziel ist wie bereits 2013 erfolgreich zu finishen und den Wettkampf zu genießen.

Bedeutsam für mich sind nicht die Zeiten oder der Vergleich mit anderen, sondern der tägliche Kampf gegen mich selbst und den inneren Schweinehund. Ich trainiere aus meiner Sicht möglichst effizient nach einem Plan, nutze die mir zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll, um so letztendlich am Wettkampftag mein Bestes geben zu können. Yoga und Meditation helfen mir, die Beweglichkeit in Körper und Geist zu stärken, zu bewahren und aus der Ruhe Kraft zu schöpfen.

Für mich war die erste Langdistanz eine abenteuerliche Reise und ein Weg, auf dem sich vieles geklärt hat. Ich habe mich im Nachhinein geärgert, dass ich die vielen abenteuerlichen, emotionalen und verrückten Momente nicht hinreichend schriftlich festgehalten habe. Daher freue ich mich  umso mehr, dass mir hier nun der Rahmen gegeben wird, dies nicht nur festzuhalten, sondern auch noch mit anderen zu teilen.

Die „Mission Glück“ als positive Sichtweise und gelebte Motivation! Ich freue mich über jeden, der mich auf diesem Weg begleiten möchte.